Das Centre de Formation d'Apprentis (CFA) du Bâtiment "Jean Fontaine" in Orléans/Frankreich und die BZB haben sich aus ihrem Verständnis als Bildungsdienstleister für die KMU des Baugewerbes 1994 der gemeinsamen Zielsetzung verschrieben, der Ausbildung in Bauberufen eine europäische Dimension zu verleihen. Lehrlingsaustausche zur Förderung der beruflichen Mobilität durch Überwindung von Sprachbarrieren waren hierzu der erste Schritt. Das Deutsch-Französische Sekretariat für den Austausch in der beruflichen Bildung (DFS), Saarbrücken, förderte die Partnerschaft und unterstützt seitdem die Finanzierung der Aufwendungen. Nach intensiver Vorbereitung mit gegenseitigen Besuchen in Orléans und Krefeld fand im Folgejahr der erste Lehrlingsaustausch statt. Der Erfolg dieser Maßnahme beflügelte beide Partner, den Austausch als feste Einrichtung jährlich durchzuführen. Der transnationale Mehrwert der Auslandspraktika ihrer Auszubildenden wurde von den Betrieben schon damals hoch eingeschätzt und ist heute ein gefragter Bestandteil der Lehrlingsausbildung. So gefragt, dass vor einigen Jahren ein Betrieb die Teilnahme seines Lehrlings sogar gerichtlich eingeklagt hat. In Frankreich versah der Zentralverband für die Berufsausbildung im Baugewerbe (CCCA-BTP, Paris) den Lehrlingsaustausch mit dem Prädikat "best practice" und präsentierte fortan die Partnerschaft von CFA und BZB als Vorbild.  Der Erfahrungsaustausch im Aus- und Weiterbildungsbereich sowie auf Betriebsebene durch die begleitenden Ausbilder und bei vorbereitenden Besuchen wurde ergänzt durch Ausbilderaustausche in Orléans und Krefeld. Neben den persönlichen Kontakten der Beteiligten von CFA und BZB auch auf privater Ebene entwickelte sich die gegenseitige Unterstützung auf fachlichen Gebieten und die Zusammenarbeit bei Kongressen, Tagungen und Workshops, u. a. in Arbeitsgruppen des europäischen Netzwerkes RE.FORM.E. Für die Teilnehmer an Lehrlingsaustauschen bedeutet der Erwerb von fachlichen Fähigkeiten und Kompetenzen in einem fremden Land neben einem künftigen Beschäftigungsvorteil auch den Nachweis von beruflicher Mobilität. Die Bereitschaft, freiwillig die Sprachkompetenz durch den Erwerb von Fremdsprachenkenntnissen zu erweitern, unterstreicht nachhaltig die Einsicht in die Notwendigkeit des lebenslangen Lernens schon in dieser frühen Phase der Berufstätigkeit. Der Einblick in die Berufswelt und soziokulturelle Situation Gleichaltriger im Gastland fördert den Gedanken des Europas der Bürger und stärkt die Einsicht in die Grundfreiheit der Mobilität von Arbeitnehmern im europäischen Binnenmarkt. Wesentliches Kriterium für die Förderung des Europagedankens ist die Authentizität der gewonnenen Erfahrungen. Sie erstreckt sich nicht nur auf die unter realistischen Baustellenbedingungen im Aufnahmeland erworbenen Fach- und Sprachkompetenzen, sondern auch auf die Erlebnisse, Begegnungen und Einblicke während der Freizeit. Sie fördert das Bewusstsein für ein Europa der Bürger, weckt Toleranz und Verständnis für unterschiedliche Mentalitäten, Berufswelten und Sozialgefüge und regt zur Überprüfung eigener Haltungen und Meinungen an. Aus unserer Sicht hat sich die Kontinuität der Austausche der vergangenen Jahre zweifelsfrei bewährt. Der zusätzliche Nutzen hieraus für den einzelnen Teilnehmer liegt in einer Steigerung der Effizienz seines Aufenthaltes, bedingt durch die in den Vorjahren gewonnenen Erfahrungen unserer Ausbilder. Sie verfügen mittlerweile über erhebliche Kenntnisse der französischen Bauweise, Baumaterialien, Arbeitstechniken, Baustellenorganisation, der Mentalität der französischen Bauunternehmer und deren Mitarbeiter. In Absprache mit dem französischen Betrieb sind sie in der Lage, auf die Einsatzmöglichkeiten der deutschen Lehrlinge so hinzuwirken, dass diese in optimaler Weise neue Kenntnisse und praktische Erfahrungen sammeln können. Anders ausgedrückt: Durch dieses Vorgehen werden zielgerichtet genau diejenigen praktischen Ausbildungsinhalte auf der Baustelle und im Betrieb vermittelt, die die Ausbildung des Lehrlings während seines Aufenthaltes in Frankreich ergänzen, erweitern und vertiefen sollen. Der Baustelleneinsatz ist daher optimal. Maß hierfür ist die Bewertung der französischen Betriebe über die Tätigkeit der deutschen Lehrlinge als auch die persönliche Bilanz der Lehrlinge über den Nutzen des Aufenthaltes in Orléans. In fast allen Fällen ist hier ein großer Erfolg erzielt worden. Zur Vorbereitung der Lehrlinge auf den Aufenthalt in Orléans findet zusammen mit dem Sprachkurs, der für alle Teilnehmer verbindlich ist, eine soziokulturelle Einführung statt. Sie beinhaltet die ausführliche Information der Teilnehmer über die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Gegebenheiten in der Region Centre bzw. speziell in Orléans. Hierzu gehört insbesondere die Unterrichtung über das Handwerkswesen in Frankreich mit seinen Besonderheiten gegenüber dem deutschen, über die Struktur der französischen Bauwirtschaft und über die Unterschiede des französischen Schulsystems und der dualen Ausbildung in Frankreich. Das Freizeitprogramm sieht eine Reihe von Veranstaltungen vor, die den Lehrlingen zumindest einen Einblick in das Freizeitverhalten ihrer gleichaltrigen französischen Kollegen geben. Hierzu gehört insbesondere auch der Kontakt mit jungen Franzosen während der Freizeit und im Internat des CFA, in dem die deutschen Teilnehmer untergebracht sind. Bestandteile des Programms sind lokale kulturelle Veranstaltungen, öffentliche Feierlichkeiten, Ausstellungen, Musikfestivals und Feste, wie das Jeanne d'Arc-Fest, ein Wochenendausflug, z. B. nach Paris, in die Bretagne, zum Futuroscope (bei Poitiers) sowie Besichtigungen der imposanten Loire-Schlösser. Wir sehen es als großen Gewinn der bisher durchgeführten Austausche an, daß sich französische und deutsche Lehrlinge intensiv mit den Bauweisen und -techniken des jeweils anderen Landes auseinandersetzen und sich gemeinsam intensiv mit den verschiedensten Bauthemen beschäftigen. Uns ist es wichtig, dass über den Beruf als verbindende Klammer Sprachbarrieren überwunden und mit Kollegen einer anderen Nationalität persönliche Kontakte geknüpft und vertieft werden. Wir freuen uns immer wieder, daß über den Austausch hinaus Freundschaften entstehen und die Beteiligten sich gegenseitig besuchen oder gar im Austauschbetrieb einige Wochen arbeiten. Ab 2000 wurde zur Dokumentation und zum späteren Nachweis eines europäischen Berufsbildungsabschnittes dieser dem Lehrling durch einen in Deutsch abgefassten und in Französisch übersetzten Eintrag in den Europass-Berufsbildung bescheinigt. Die Ausstellung einer solchen Bescheinigung ergabt sich aus der Verpflichtung des ordnungsgemäßen Nachweises einer lückenlosen Ausbildung bis zur Änderung des Berufsbildungsgesetzes, das nun sogar einen Auslandsaufenthalt während der Ausbildung fordert. Seit 2006 erhalten alle Teilnehmer den neuen europass Mobilität. Die fachlich-pädagogische Betreuung des Praktikums durch BZB-Ausbilder und die Vereinbarungen mit dem CFA über die umzusetzenden Lernziele und Ausbildungsinhalte stellen sicher, dass diese auf der Baustelle des französischen Betriebes erfolgreich vermittelt werden. Die abschließende Bewertung der erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen übernehmen die BZB-Ausbilder gemeinsam mit den französischen Ausbildern, die die Unterweisung der Lehrlinge auf der Baustelle durchgeführt haben.
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