Zehn junge Männer nehmen seit Februar an dem Projekt „Perspektiven für junge Flüchtlinge im Handwerk“ teil. Sie lernen verschiedene Gewerke kennen und werden Schritt für Schritt an eine Ausbildung im Handwerk herangeführt. Die Kooperation von der Agentur für Arbeit Wesel und den Bildungszentren des Baugewerbes e. V. (BZB) findet erstmals in Wesel statt.

©Foto Denise Brücker

Rund ein Drittel der Asylbewerber mit Bleiberecht oder hoher Bleibeperspektive im Arbeitsagenturbezirk Wesel ist unter 25 Jahre alt. Für den Ausbildungsmarkt eröffnen sich damit Potenziale, wenn der Berufseinstieg glückt. Hilfestellung leistet dabei das Projekt „Perspektiven für junge Flüchtlinge im Handwerk“, an dem auch zehn junge Männer aus Afghanistan, Guinea, Pakistan, Irak, Nigeria und Marokko seit Februar teilnehmen.
In den Werkstätten der BZB lernen sie ganz praktisch Berufe wie Maurer, Straßenbauer, Dachdecker und weitere kennen. Manche Tätigkeiten kennen die jungen Männer aus ihren Herkunftsländern, doch das meiste ist neu. „Das Projekt dient der ersten beruflichen Orientierung und Erprobung. Ergänzt wird es durch intensive Sprachförderung und ein oder mehrere betriebliche Praktika“, erläutert Christian Parnitzke, Teamleiter im Integration Point der Agentur für Arbeit Wesel und des Jobcenters Kreis Wesel. „Die Teilnahme ist für die jungen Menschen sehr hilfreich, um den deutschen Arbeits- und Ausbildungsmarkt besser kennenzulernen und dort Fuß zu fassen. Alleine ist es häufig zu schwierig, in Ausbildung zu kommen“, ergänzt Samira Fagrach-Ghezielle, die als Berufsberaterin junge Geflüchtete unter 25 Jahren im Integration Point, der gemeinsamen Anlaufstelle von Arbeitsagentur und Jobcenter Kreis Wesel, berät.
Die ersten Erfahrungen mit den Teilnehmenden in Wesel sind positiv, wie Markus Crone, Geschäftsbereichsleiter Ausbildung & pädagogische Maßnahmen beim BZB, unterstreicht: „Die Teilnehmer brauchen Unterstützung zur Orientierung, zum Verstehen und zur Findung von Perspektiven im deutschen Ausbildungs- und Beschäftigungssystem. Das System der Berufsausbildung zur Erlangung eines anerkannten Berufsabschluss ist den meisten Teilnehmern aus ihrem Heimatland völlig fremd. Wenn wir sie in Arbeit und in die Gesellschaft integrieren wollen, sind die Projekte wie PerjuF H und BOF (Bundesprogramm „Berufsorientierung für Flücht-linge“ des Bundesinstituts für Berufsbildung BiBB) im Rahmen der Kampagne des deutschen Handwerks zur Integration von Flüchtlingen ins Handwerk genau richtig. Wir sehen schon die ersten Erfolge und wachsendes Interesse der Teilnehmer zur beruflichen und sprachlichen Entwicklung. Wir sind damit auf dem richtigen Weg und hoffen, weitere Flüchtlingen im Kreis Wesel diesen Weg aufzeigen zu können. Es gibt viele Chancen im Handwerk für Ausbildung und Beschäftigung.“
Ergänzt werden die berufsfachlichen Kenntnisse durch Informationen zum beruflichen und privaten Alltag. Insgesamt dauert die Maßnahme bis zu einem halben Jahr. Sie beinhaltet ein vier- bis sechswöchiges Praktikum, in dem die erworbenen Kenntnisse in der Praxis erprobt und erweitert werden können. Im Anschluss folgen weitere berufsvorbereitende und berufsorientierende Maßnahmen.
Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass sich vielfach eine Einstiegsqualifi-zierung als Brücke in der Berufsausbildung anschließt. Dieses Ziel haben auch die zehn jungen Männer in Wesel vor Augen.