19. Jun. 2026
Duraid Khaleel ist Auszubildener zum Beton- und Stahlbetonbauer im 2. Ausbildungsjahr bei Reuter Bauunternehmen GmbH. Der engagierte 24-Jährige mit iranischen Wurzeln hat sich bewusst für eine Ausbildung in einem Bauberuf entscheiden. Für sein Ziel arbeitet er hart – auf der Baustelle, aber auch am Schreibtisch. Wir sprachen mit dem Nachwuchshandwerker über seinen Weg zur Ausbildung, seine Erfahrungen und die Zukunftspläne.
Ich habe zunächst in einer Pizzeria gearbeitet und dort viel Erfahrung gesammelt. Mir wurde jedoch schnell klar, dass ich dort langfristig keine Perspektive für mich sehe. Ich wollte mich weiterentwickeln und eine Tätigkeit finden, die mir auch in Zukunft Möglichkeiten bietet.
Über einen Kollegen, der als Fahrer bei uns tätig war und eine Ausbildung zum Mauerer gemacht hat, bin ich auf die verschiedenen Berufe am Bau aufmerksam geworden. Er berichtete sehr positiv von seiner Arbeit – sowohl in Bezug auf das Arbeitsklima als auch auf die Verdienstmöglichkeiten.
Zudem habe ich schon immer gerne körperlich gearbeitet. Mein Vater hat früher im Irak im Stahlbetonbau gearbeitet und seine Erzählungen haben mich ebenfalls geprägt. Besonders begeistert mich bis heute der Gedanke, dass man am Ende eines Projekts etwas Greifbares geschaffen hat – ein Haus, in dem später Menschen leben. Zu sehen, wie aus einer leeren Fläche Schritt für Schritt ein Gebäude entsteht, motiviert mich sehr.
Ich bin mit 16 Jahren nach Deutschland gekommen und lebe seit fast neun Jahren hier. Der Einstieg war nicht einfach, vor allem wegen der Sprache. Auch heute muss ich noch viel nacharbeiten, vor allem im schulischen Bereich, weil Fachbegriffe und Inhalte manchmal schwer zu verstehen sind.
Trotzdem habe ich mich durchgebissen. Ich investiere viel Zeit, um den Stoff zu verstehen und meine Ausbildung erfolgreich zu meistern.
Ich habe mich bei meinem jetzigen Betrieb beworben und zunächst ein zweiwöchiges Praktikum absolviert. Diese Zeit war für beide Seiten wichtig: Ich konnte den Beruf kennenlernen, und der Betrieb konnte einschätzen, wie ich arbeite.
Der Wechsel war zunächst eine Umstellung, vor allem wegen der Arbeitszeiten – statt später zu beginnen, musste ich plötzlich sehr früh aufstehen. Aber ich habe mich schnell daran gewöhnt.
Während des Praktikums habe ich viele Fragen gestellt und viel Interesse gezeigt. Das wurde sehr positiv aufgenommen. Schließlich habe ich einen Ausbildungsvertrag bekommen.
Mir gefällt vor allem, dass die Zeit bei der Arbeit sehr schnell vergeht. Im Vergleich zu einem Bürojob, der für mich persönlich nicht infrage kommt, bin ich ständig in Bewegung und arbeite draußen.
Ein weiterer großer Vorteil ist, dass ich nach Feierabend noch viel vom Tag habe. Außerdem bietet der Beruf zahlreiche Entwicklungsmöglichkeiten. Nach der Ausbildung kann ich mich weiterqualifizieren, beispielsweise zum Polier oder Meister.
Wichtig ist vor allem der Wille zu arbeiten. Der Beruf kann körperlich fordernd sein und erfordert Durchhaltevermögen.
Darüber hinaus sind grundlegende Kenntnisse in Mathematik und Physik hilfreich, da viele Berechnungen und technische Abläufe zum Alltag gehören. Mathe fiel mir nicht leicht, aber ich habe viel gelernt und mir so das erforderliche Wissen angeeignet. Auch Sorgfalt ist entscheidend, schließlich trägt man Verantwortung für die Sicherheit der Bauwerke.
Natürlich spielt auch die körperliche Fitness eine Rolle. Allerdings ist die Arbeit heute deutlich weniger belastend als früher, da einige Arbeitsschritte durch Maschinen unterstützt werden.
Wenn ich damit vergleiche, was mein Vater erzählt, ist die Arbeit heute wesentlich moderner und sicherer. Viele schwere Tätigkeiten werden durch Maschinen übernommen, sodass man weniger körperlich belastet wird.
Auch der Arbeitsschutz ist deutlich besser. Es gibt klare Vorschriften und Schutzkleidung wie Helm, Sicherheitsschuhe und Schutzbrillen. Dadurch können viele Unfälle vermieden werden.
Im Vergleich dazu waren die Bedingungen früher – beispielsweise im Irak, wo mein Vater gearbeitet hat – deutlich schwieriger und unsicherer.
Ja, das ist ein zentraler Bestandteil der Ausbildung. Wir erhalten Schulungen, beispielsweise in Erster Hilfe und im Umgang mit Maschinen.
Als Auszubildender darf man Maschinen nur nach entsprechender Unterweisung bedienen. Außerdem wird genau erklärt, wie man richtig hebt und arbeitet, um langfristige gesundheitliche Schäden zu vermeiden.
Wenn man die gelernten Techniken beachtet, kann man den Beruf ohne größere körperliche Probleme ausüben.
Mein Ziel ist es, die Ausbildung nach drei Jahren erfolgreich abzuschließen und anschließend weitere Berufserfahrung zu sammeln. Danach möchte ich mich zum Polier oder Meister weiterbilden.
Beide Wege bieten gute Perspektiven. Als Meister hätte ich sogar die Möglichkeit, ein eigenes Bauunternehmen zu gründen. Insgesamt bietet die Branche sehr stabile Zukunftschancen und gute Verdienstmöglichkeiten.
Ich würde jedem empfehlen, es einfach auszuprobieren. Ein Praktikum ist ideal, um einen realistischen Eindruck vom Beruf zu bekommen.
Im Baugewerbe gibt es viele verschiedene Tätigkeiten – vom Maurer über den Stahlbetonbauer bis hin zu anderen Spezialisierungen. Wer gerne draußen arbeitet und praktisch tätig ist, findet hier viele Möglichkeiten.
Wichtig ist, offen zu sein und sich nicht von Vorurteilen abschrecken zu lassen. Auch mit einem höheren Schulabschluss kann eine handwerkliche Ausbildung eine sehr gute Entscheidung sein.
Wir bedanken uns herzlich für das Interview und wünschen dir weiterhin viel Erfolg!
Autor: Bildungszentren des Baugewerbes e.V.
Titelbild-Copyright: BZB