02. Apr. 2026
Vinzent Kratzert ist 25 Jahre alt und weiß, was er will: Der angehende Beton- und Stahlbetonbauer ist im 2. Ausbildungsjahr bei der Unternehmensgruppe AMAND und hat noch viel vor. Seine ÜLU absolviert er im BZB Düsseldorf. Wir sprachen mit Vinzent über seinen Beruf, die Motivation und seine Zukunftspläne.
Das war tatsächlich ein längerer Weg. Zunächst habe ich drei Jahre im Fitnessstudio gearbeitet und dort eine Ausbildung zum Fitnesskaufmann abgeschlossen. Ich war sehr engagiert, aber am Ende musste ich erkennen, dass man in diesem Bereich einfach nicht genug verdient, um langfristig davon leben zu können. Also habe ich mit meinem Vater gesprochen. Er ist ebenfalls Betonbauer und leitet ein Bauunternehmen. Da war der Gedanke naheliegend, in dieselbe Richtung zu gehen. Unser Familienbetrieb ist in den letzten Jahren stark gewachsen und ich möchte unterstützen, so dass ich mich für eine weitere Ausbildung entschieden habe.
Genau. Unser Familienunternehmen, die KRATZERT Gruppe, bildet momentan keine Betonbauer aus, deshalb mache ich meine Ausbildung in einem anderen Unternehmen. Für mich hat das den Vorteil, erst außerhalb Erfahrung zu sammeln. Mein Ziel ist aber ganz klar, später in unseren Familienbetrieb einzusteigen.
Das Arbeiten im Team ist für mich ein großer Pluspunkt. Auf der Baustelle herrscht ein lockerer Umgang miteinander. Man unterstützt sich gegenseitig und arbeitet für ein gemeinsames Ziel. Das ist ein starkes Gemeinschaftsgefühl, das ich aus dem Büroalltag so nicht kenne. Auf der Baustelle ist es direkter, ehrlicher und unkomplizierter. Außerdem sieht man jeden Tag, was man geschafft hat. Das Ergebnis der eigenen Arbeit direkt vor Augen zu haben, motiviert unheimlich. Auch wenn die körperliche Arbeit anstrengend sein kann, macht sie mir viel Spaß. Ich bin gerne draußen, arbeite gerne mit meinen Händen und mag es, mich auszupowern. Genau deshalb passt dieser Beruf sehr gut zu mir. Und selbst wenn es körperlich irgendwann schwieriger wird, bietet der Beruf genug Entwicklungsmöglichkeiten, zum Beispiel in Richtung Bauleitung.
Körperkraft ist auf jeden Fall wichtig, denn die Arbeit ist oft anstrengend und körperlich fordernd. Dazu kommt, dass man bei jedem Wetter draußen arbeitet, egal ob es regnet, schneit, stürmt oder brütend heiß ist. Gleichzeitig spielt das Köpfchen eine große Rolle, weil man rechnen können und Maße verstehen sollte sowie ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen braucht. Gerade am Anfang der Ausbildung gehören auch einfachere Aufgaben dazu, wie aufräumen, fegen oder mal etwas holen – da sollte man sich nicht zu schade für sein. Prinzipiell ist es zudem hilfreich, erste Erfahrung mit Werkzeugen mitzubringen.
Bei meinem Ausbildungsbetrieb AMAND bauen wir vor allem Brücken. Wir erstellen die Schalungen, also die Formen, in die später der Beton gegossen wird. Wir bauen Stützen und Fahrbahnen, fertigen Aussparungen für Leitungen an und sorgen nach der Arbeit dafür, dass alles wieder ordentlich ist.
Im Familienunternehmen arbeiten wir dagegen an Häusern und Hallen. Dort gehören Wände, Decken, Bodenplatten und Fundamente zum Alltag. Grundsätzlich dreht sich im Betonbau alles um drei Haupttätigkeiten: Betonieren, Schalungen bauen und Eisen flechten – denn der Beton wird immer mit der Bewehrung zusammen eingebracht. Als Auszubildender übernimmt man auch mal Laufwege oder einfache Hilfsarbeiten, aber das gehört aus meiner Sicht ganz normal dazu.
Ich möchte die Ausbildung verkürzen und im Dezember fertig sein. Wenn alles klappt, beginne ich anschließend im Januar 2027 direkt die Meisterschule. Die findet bei der Handwerkskammer Düsseldorf statt und läuft in Vollzeit. Währenddessen werde ich voraussichtlich schon im Familienbetrieb mitarbeiten. Die Meisterschule dauert ungefähr zehn Monate. Danach ist geplant, dass ich vollständig im Familienunternehmen einsteige. Wir haben große Ziele und wachsen bereits stark. Von der Sanierung über den Neubau bis hin zur Projektentwicklung decken wir eigentlich alles ab. Die Branche hat aus meiner Sicht enorm viel Potenzial, denn gebaut wird immer. Gebäude werden älter, müssen saniert oder komplett neu errichtet werden – das Handwerk bleibt gefragt.
Ich würde jedem empfehlen, vorher ein Praktikum zu machen. Die Jugendlichen sollten sich unbedingt anschauen, wie die Arbeit wirklich aussieht. Ich habe ganz früher eine Ausbildung zum Schreiner angefangen und nach drei Monaten gemerkt, dass es nicht zu mir passt. Mit einem Praktikum hätte ich mir das erspart. Ein Monat reicht oft schon, um ein Gefühl zu bekommen. Generell kann ich nur sagen: Handwerk ist das Beste. Man kann gutes Geld verdienen, man hat tolle Entwicklungsmöglichkeiten und Handwerk wird niemals aussterben. Und das Wichtigste: Es macht einfach Spaß.
Wir bedenken uns herzlich für das Gespräch und wünschen dir viel Erfolg und alles Gute!
Autor: Bildungszentren des Baugewerbes e.V.
Titelbild-Copyright: BZB