Stuckateurin Sabrina Weber stellt sich vor, Copyright: BZB

30. Jan. 2026

„Die Ausbildung eröffnet viele Möglichkeiten“ – eine Stuckateurin stellt sich vor

Die Stuckateurin Sabrina Weber ist mit dem Handwerk aufgewachsen. Nun hat die 20-Jährige kürzlich ihre Ausbildung im Familienbetrieb Franz-Josef Weber GmbH & Co. KG in Schwalmtal erfolgreich abgeschlossen. Wir sprachen mit der engagierten Handwerkerin im Rahmen unserer Reihe „Azubis stellen sich vor“.

Wie bist du zu deinem Beruf und zu deiner Ausbildung gekommen?  

Meine Familie führt einen eigenen Stuckateurbetrieb, und ich hatte schon immer Freude am Handwerk sowie an kreativer Arbeit. Für mich stand früh fest, dass mein beruflicher Weg entweder in die Landwirtschaft oder ins Handwerk führen würde. Da wir einen Familienbetrieb haben, fiel die Entscheidung letztlich schnell. Durch die Erkrankung meines Vaters habe ich mich ganz bewusst dazu entschieden, in den Betrieb einzusteigen und aktiv mitzuhelfen. Langfristig kann ich mir auch vorstellen, den Betrieb einmal zu übernehmen.

Dein Vater hat den Familienbetrieb aufgebaut?

Ja, genau. Mein Vater hat selbst eine Ausbildung zum Stuckateur absolviert und den Betrieb vor über 30 Jahren gegründet. Später ist mein Onkel und die Altgesellen mit eingestiegen. Heute beschäftigen wir rund zehn Mitarbeitende. Wir freuen uns immer über Nachwuchs und bilden sehr gerne aus. Leider wird eine handwerkliche Ausbildung an Schulen teilweise noch kritisch gesehen. Auch mir wurde am Gymnasium davon abgeraten, nach der elften Klasse ins Handwerk zu gehen. Man sagte mir, die Arbeit sei zu körperlich anstrengend und langfristig unzufriedenstellend. Diese Vorurteile begegnen einem leider auch bei vielen Eltern. 

Und ich kann nur sagen, wenn ihr Bock drauf habt, probiert es aus.

Hast du das Gefühl, dass man sich im Handwerk, speziell im Stuckateurhandwerk, „kaputt macht“?

Wenn ich höre, wie mein Vater und die älteren Gesellen von früher erzählen, ist die Arbeit heute deutlich körper­schonender. Es gibt inzwischen viele technische Hilfsmittel, etwa Exoskelette oder Plattenheber für Gipskartondecken. Auch die Materialgewichte haben sich reduziert. Natürlich bleibt es körperliche Arbeit, oft auch einseitig belastend. Aber ich denke, mit moderner Technik und einem bewussten Umgang mit dem eigenen Körper lässt sich vieles gut ausgleichen – insbesondere auch für Frauen im Handwerk.

Wie empfindest du es, als Frau im Handwerk tätig zu sein? Begegnen dir Vorurteile?

Auf neuen Baustellen kommt es durchaus vor, dass man zunächst skeptisch angeschaut wird. Manche müssen erst realisieren, dass eine Frau dieselbe Arbeit ausführt wie ihre männlichen Kollegen. Insgesamt erlebe ich jedoch überwiegend positives Feedback. Dennoch ist es so, dass man sich den Respekt oft erst erarbeiten muss und die eigene Arbeit genauer beobachtet wird. Als Frau muss man sich manchmal definitiv etwas mehr beweisen.

Was ist für dich das Besondere am Stuckateurberuf?

Der Beruf ist äußerst vielseitig. Wir arbeiten unter anderem mit Wärmedämmverbundsystemen, Außen- und Innenputz, verschiedenen Putzstrukturen und Farben. Dazu kommen Gipskartonarbeiten, Innendämmungen etc. Besonders gefällt mir der kreative Aspekt: Man muss räumlich und plastisch denken und gestaltet aktiv mit. Die körperliche Arbeit ist für mich zudem ein guter Ausgleich zur Kopfarbeit.

Welche Fähigkeiten sollte man bestenfalls mitbringen?

Kreativität und handwerkliches Geschick sind auf jeden Fall wichtig. Außerdem Geduld – gerade bei Stuckarbeiten. Das ist etwas, woran ich selbst immer wieder arbeiten muss, da man hier Ruhe und Genauigkeit braucht.

Du hast deine Ausbildung verkürzt und nun erfolgreich die Abschlussprüfung bestanden. Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Als nächstes möchte ich gerne den Meister machen. Mit dem Abschluss der Prüfung stehen einem im Handwerk viele Weiterbildungswege offen – etwa als Sachverständiger, Energieberater oder auch in organisatorischen Tätigkeiten, beispielsweise bei der Handwerkskammer. Auch der Bereich Restaurierung interessiert mich sehr.

Hast du Tipps für Jugendliche, die sich für einen handwerklichen Beruf interessieren?

Ich würde empfehlen, aktiv auf Betriebe in der Umgebung zuzugehen, offen zu kommunizieren und ehrlich zu sein. Die Ausbildungszeit ist nicht immer einfach, aber man erwirbt einen anerkannten Abschluss und verdient von Anfang an Geld. Das ist ein großer Vorteil gegenüber einem Studium. Zudem besteht die Möglichkeit, bei guten schulischen Leistungen zu verkürzen. Ich habe meine Ausbildung auf zweieinhalb Jahre verkürzt und definitiv keine Zeit verloren. Danach stehen einem viele Wege offen – das Handwerk bietet enorme Perspektiven.

Wir bedanken uns für das Gespräch und gratulieren herzlich zur bestandenen Gesellenprüfung!


Autor: Bildungszentren des Baugewerbes e.V.

Titelbild-Copyright: BZB

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Dieter Stempel Ausbilder / Stuckateurmeister
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