30. Apr. 2026
Denis Hülsenbeck ist Auszubildender zum Zimmerer im 2. Lehrjahr bei der Zimmerei Gebr. Merten GmbH. Die Ausbildung führt den 44-Jährigen auf dem zweiten Bildungsweg zu seinem Traumberuf. Die ÜLU besucht er im BZB Düsseldorf. Wir sprachen mit Denis über die Ausbildung, seine Motivation fürs Handwerk und die Ziele für die Zukunft.
Ich war fast zehn Jahre lang in meiner Firma als Baufachwerker tätig. Mit der Zeit wurde mir klar, dass ich mehr will. Der Beruf des Zimmerers gefällt mir richtig gut und daher möchte ich den Abschluss zum Gesellen erlangen. Also habe ich meinen Chef darauf angesprochen und er hat zugestimmt. Die Ausbildung läuft bei mir als Umschulung. Dabei werde ich vom Arbeitsamt gefördert: Mein Chef zahlt mir weiterhin mein Gehalt und die Differenz zum Ausbildungsgehalt bekommt er erstattet.
Genau, ich bin direkt ins zweite Lehrjahr eingestiegen und absolviere die Ausbildung regulär bis zum Ende des dritten Lehrjahres. Insgesamt mache ich den Gesellen in zwei Jahren.
Als Baufachwerker unterstützt man auf der Baustelle, erledigt Vorarbeiten und reicht Werkzeuge an. Bei mir ging das aber auch darüber hinaus. Ich habe früh eigene Baustellen übernommen und wurde auch allein losgeschickt. Der Chef hat mir gesagt, was gemacht werden soll, und ich habe das eigenständig umgesetzt. Dadurch habe ich schon früh Verantwortung getragen.
Beides. Viele praktische Fähigkeiten hatte ich bereits im Arbeitsalltag von den Gesellen mitbekommen. Gleichzeitig habe ich in der Ausbildung viel dazugelernt, vor allem bei technischen Details und im Hintergrundwissen. Zudem zählt die Erfahrung – und die bringe ich mit.
Am Anfang war es schon komisch. Ich habe selbst zwei Kinder im Alter von 17 und 19 Jahren. Trotzdem habe ich mich gut eingefunden. Ich komme mit allen klar und hatte bisher keine Schwierigkeiten. Was mich besonders freut: In diesem Beruf herrscht ein fairer Umgang. Egal ob auf der Baustelle, in anderen Betrieben oder auf Messen – die Kollegen sind offen, freundlich und hilfsbereit.
Der Beruf ist extrem vielseitig. Man schafft Neues und bewahrt gleichzeitig Altes. Je nach Betrieb arbeitet man sogar im öffentlichen Bereich. Wir sind zum Beispiel viel im Wuppertaler Zoo im Einsatz und kümmern uns um Wartungsarbeiten an den Gehegen. Damit tragen wir auch zur Sicherheit der Tiere bei.
Es ist ein sehr alter Beruf, aber nach wie vor aktuell. Ich finde, das Handwerk muss wieder mehr Wertschätzung erfahren. Es kann nicht jeder im Büro sitzen. Zum Handwerk gehören nicht nur Zimmerer oder Klempner, sondern auch Bäcker, Köche oder Schneider. Ohne Handwerk funktioniert unsere Gesellschaft nicht. Für alle, die gerne mit Holz arbeiten, ist der Zimmerer ein richtig starker Beruf. Er ist körperlich anspruchsvoll, aber macht sehr viel Spaß.
Vor allem die Arbeit mit Holz. Ursprünglich komme ich aus dem Metallbereich und habe eine Ausbildung zum Technischen Zeichner gemacht. Heute habe ich einen Beruf, der mir wirklich Spaß macht. Ich stehe morgens gerne früh auf, fahre auf die Baustelle und sehe am Ende des Tages, was ich geschaffen habe. Besonders wichtig ist mir dabei die Sanierung alter Gebäude. Wir reißen nicht einfach ab, sondern erhalten Substanz – und genau das gefällt mir.
Man braucht auf jeden Fall räumliches Vorstellungsvermögen. Auch mit Mathe sollte man keine großen Probleme haben, sonst wird es schwierig. Für mich war es eine Herausforderung, wieder ins Lernen zu kommen, da meine letzte Ausbildung schon viele Jahre zurücklag. Ich habe mehr zu Hause geübt, aber es hat funktioniert. Mit Einsatz und Durchhaltevermögen ist das gut machbar.
Zunächst möchte ich die Ausbildung erfolgreich abschließen und eine möglichst gute Note erreichen. Danach entscheide ich, ob ich noch den Meister mache oder als Geselle weiterarbeite. Prinzipiell möchte ich gerne in meinem Betrieb bleiben, da bin ich zufrieden. Sonst wäre ich nicht schon seit fast zehn Jahren da.
Mein Tipp ist klar: ausprobieren. Verschiedene Betriebe kennenlernen, Praktika machen und mit auf Baustellen gehen. Und zwar nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter. Denn gerade in der kalten Jahreszeit zeigt sich, ob der Beruf wirklich zu einem passt.
Herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute für deinen weiteren Weg!
Autor: Bildungszentren des Baugewerbes e.V.
Titelbild-Copyright: BZB