Die Bauwirtschaft ist eine Schlüsselbranche der deutschen Wirtschaft. Bedenklich ist die hohe Zahl von Arbeitsunfällen und Berufserkrankungen. Viele, insbesondere ältere Arbeitnehmer, müssen ihren Beruf krankheitsbedingt vorzeitig aufgeben. Nur knapp jeder Vierte in der Baubranche Tätige ist beschwerdefrei.

Bedingt durch branchentypische körperliche Anforderungen (langes Stehen, Tragen schwerer Lasten, schlechte Witterungsbedingungen, Lärm…) liegt der Anteil der AU-Tage im Vergleich zu anderen Branchen deutlich erhöht. Politik, Wissenschaft und Unternehmer haben die Bedeutung des präventiven Arbeitsschutzes erkannt und fördern die Entwicklung neuer Ansätze, um einen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitssituation am Arbeitsplatz zu leisten.

Im Rahmen des Projekts SustainSME soll ein neuartiges Konzept entwickelt werden, um die Gesundheitskompetenz der Führungskräfte und aller Mitarbeiter mit unterschiedlichen Qualifikationen mithilfe von Elementen des präventiven Arbeits- und Gesundheitsschutzes in den Unternehmen zu erhöhen.

Projektpartner sind neben dem BZB, das Frauenhofer Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie (IMW) in Leipzig, die Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk e.V. (ZWH), die Tiefbauunternehmung Gebr. Kickartz GmbH aus Krefeld und die Bauunternehmung Gebr. Hölscher GmbH aus Duisburg.

Die Fähigkeiten und Fertigkeiten Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und für gesundheitsbezogene Entscheidungen anzuwenden, werden als Gesundheitskompetenz bezeichnet. Hierbei geht es nicht nur um Wissen, Motivation und Kompetenzen, um sich im Alltag über das Gesundheitswesen, die Krankheitsprävention und die Gesundheitsförderung eine Meinung zu bilden und Entscheidungen zu treffen, die die Lebensqualität im Lebensverlauf erhalten oder verbessern. Gesundheitskompetenz ist eine Voraussetzung für gesunde, zufriedene, kreative und dadurch innovative Mitarbeiter.

Ablauf des Projektes:

  • Entwicklung eines neuartigen Konzeptes zur Erhöhung der Gesundheitskompetenz im Unternehmen
  • Bestandsaufnahme in den Unternehmen
  • Untersuchung von Gesundheitskompetenz auf allen Ebenen
  • Erstellung eines pädagogischen Konzeptes und Entwicklung von Instrumenten in elektronischer Form
  • Implementierung der Instrumente für einen präventiven Arbeits- und Gesundheitsschutz in den Unternehmen
  • Evaluierung der Instrumente
  • Entwicklung eines Transferkonzeptes zur Übertragung in andere Bereiche

Vorteile für die Mitarbeiter:

  • Verbesserung der gesundheitlichen Situation
  • Entwicklung gezielter Angebote zur gesundheitlichen Vorsorge
  • arbeitsplatzspezifische Prävention im Unternehmen
  • Erhöhung der Lebensqualität

Vorteile für das Unternehmen:

  • optimale Arbeitsbedingungen sicherstellen
  • Fachkräfte in den Unternehmen binden
  • wirtschaftlich handlungsfähiger und wettbewerbsfähiger sein

Am 05.09.2017 fand das 4. Projekttreffen in Leipzig statt. Es wurden die Ergebnisse aus den Interviews vorgestellt, in denen bei den Mitarbeitern der beteiligten Projektfirmen die Bedarfe im Unternehmen erfragt wurden, um gesundheitsförderliche Maßnahmen zu optimieren und zu verbessern. Die Fragen bezogen sich auf die, in einem früheren Treffen festgelegten Hauptprobleme der Baubrache: Muskel-Skelett-Erkrankungen, Stress/psychische Belastungen, saisonale Erkrankungen und Ernährung/Bewegung Die Auswertung ergab, dass in allen Bereichen ein erheblicher Bedarf besteht.

Es wurden zu allen Bereichen Informationsflyer angefertigt, welche sich nun in der finalen Umsetzung befinden, ebenso wie ein Online-Quick-Check zur Ermittlung der privaten Gesundheitskompetenz. Die Entwicklung der Instrumente zum präventiven Arbeits- und Gesundheitsschutz machen gute Fortschritte. Gesucht werden nun interessierte Firmen, die bereit sind an einer Online-Befragung teilzunehmen! Ziel der Befragung ist es Treiber und Hemmnisse bei der Implementierung des Kompetenzmodells ausfindig zu machen. Der genaue Umfang steht noch nicht fest, es sollte mit ca. 0,5 - 1 Stunde Aufwand gerechnet werden. Zielgruppe sind Inhaber und Führungskräfte von Klein- und mittelständischen Unternehmen des Baugewerbes.

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